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Übertreiben wir unsere Situation?

Wir sollten immer selbstkritisch bleiben. Vielleicht jammern wir ja auf hohem Niveau
und sehen selbst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Schauen wir mal, was
anderswo über Chorgesang und Corona geschrieben wird:

Corona lässt Chöre verstummen (oder auch nicht!), tagesschau.de vom
23.12.2020

Beim Singen herrscht Corona-Alarm – wegen der Aerosole. Bundesweit daher
viele Chöre verstummt – oder setzen auf neue Lösungen.
Von Axel John, SWR

Donnerstagabends ist Klaus Backhaus jetzt meist daheim. Das war bis zum Frühjahr
anders. Dann traf er sich immer mit seinen Freunden im Gesangverein “Eintracht”.
Etwa 25 Frauen und Männer kamen in Dolgesheim, einer kleinen Ortschaft in der
Nähe von Mainz, zusammen. “Das war weit mehr als Singen. Nach den Proben
waren wir noch beieinander, haben ein Glas Wein getrunken”, erinnert er sich. “Aber
auch die Dorffeste mit unseren Konzerten gibt es bis auf Weiteres nicht mehr. Da
droht ein Stück Dorfkultur wegzubrechen”, sagt Backhaus… “Ich werde im Frühjahr
noch mal im Dorf um neue Mitglieder werben. Das ist für die Zukunft unseres Chors
dringend nötig.” Immer weniger Sänger bedeuten auch immer weniger
Mitgliedsbeiträge. Da die Rücklagen wegen fehlender Konzerte dahinschwinden, hat
der Gesangverein keine Dirigentin mehr. Sie konnte nicht mehr bezahlt werden.
“Früher haben wir Schnitzelfeste organisiert, um kurzfristig Geld in die Kasse zu
kriegen. Ob wir die Krise finanziell überstehen, weiß ich nicht.” … Nur gut zehn
Kilometer von Dolgesheim entfernt liegt Oppenheim. Sozusagen gesangstechnisch
liegen aber Welten zwischen den Ortschaften: Zwar wurden auch hier alle Konzerte
von Frühjahr an gestrichen, der Chor “Die kleine Harmonie” hat aber aus der Not
eine Tugend gemacht und sich digital neu organisiert. Die 18 Mitglieder singen zwar
räumlich getrennt, singen aber gemeinsam via Internet. Eine Konferenz-Software
macht’s möglich. “Das ist natürlich nicht dasselbe. Aber wir können so den Kontakt
im Chor halten … Wir arbeiten schon jetzt auf den Tag hin, an dem wir uns endlich
wieder richtig treffen und gemeinsam singen können.” Neben den Internet-Proben
können die Mitglieder auf der Homepage des Vereins auch Einzelstimmen
einstudieren… “Die kleine Harmonie” profitiert jetzt von seinen jüngeren Mitgliedern,
die die singenden Online-Konferenzen schon im Frühjahr technisch eingerichtet
haben… “Ich glaube, wir können deshalb die nächsten Monate gut überstehen. Der
Zusammenhalt ist da und damit eine Perspektive für unseren Chor. Unsere
Rücklagen und die Mitgliedsbeiträge dürften uns durch die Krise helfen.” Im nächsten
Jahr hofft der Chor dann auf neue Einnahmen – spätestens bei
Weihnachtskonzerten. “Aber egal, wie lange das Vereinsleben ruhen muss und wir in
unseren eigenen vier Wänden sind: Die Lust am Singen kann mir auch Corona nicht
nehmen… Auch das digitale Singen gibt Kraft, diese Zeit zu überstehen.”

Viele Grüße, bis nächste Woche, Ingo Kuntermann

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