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Der Sauschwob! – Teil 2

Eigentlich ist Silchers Werdegang seltsam, denn ein Schulmeister war schon damals bestrebt, seine Söhne auf die Lateinschule und dann ins Pfarrerseminar oder nach Tübingen in die juristische Fakultät zu bringen, damit sie als Juristen oder Theologen zur „Ehrbarkeit“ gehören konnten.

Silcher wäre also ein weiterer Pfarrer oder Amtmann geworden. Ob er da seiner Musik hätte folgen dürfen oder können? Silchers Vater starb aber bereits 1795, als er gerade mal 6 Jahre alt war. Das war sicher hart für den kleinen Jungen. Ich möchte hier kein Idyll zeigen. Viele unserer älteren Sänger, die im letzten Weltkrieg ihre Väter verloren haben, wissen was das heißt. Da bleibt eine Stelle leer. Eine wichtige Stelle! Seine Mutter Hedwig stammte aus der Sattlerfamilie Sprecher. Wahrscheinlich hatte Silcher daher einfach Glück, dass er – durch die württembergische Schulpflicht – überhaupt die Volksschule regulär beenden konnte/durfte/musste. Im Jahr 1806 kam Silcher nach Stuttgart und wurde Schulknecht bei Nikolaus Ferdinand Auberlen, einem heute vergessenen Schulleiter und Komponisten. Auberlen unterrichtete nach den Methoden von Pestalozzi Orgel, Klavier und Violine und dirigierte Männerchöre. Silcher gehörte ebenfalls zu seinen Schülern, den er unentgeltlich schulte. Die Begabung Silchers fiel noch weiteren Musiklehrern und Komponisten in Württemberg auf, die ihm dazu rieten, Musik als seine Lebensaufgabe zu wählen. Ich denke, dass Silcher hier viele wichtige Ersatzväter gefunden hat, die ihm nicht nur als Lehrer und Empfehler geholfen haben dürften, sondern auch emotional. Das sehen wir später in seinen Liedern.

Durch viele Schulungen und Empfehlungen wurde Silcher 1817 Musikdirektor an der Universität in Tübingen. Silcher gilt als einer der wichtigsten Protagonisten des Chorgesangs per se und arrangierte zahlreiche Chorsätze von deutschen und selbstverständlich auch internationalen Volksliedern, die noch heute zum Grundrepertoire vieler Gesangvereine (wie auch bei der Lyra) gehören und damit Allgemeingut geworden sind. Silcher selbst begründete 1829 die Akademische Liedertafel in Tübingen. Silchers Geburtshaus in Schnait ist heute das Friedrich-Silcher-Museum. 1860 ist Silcher in Tübingen gestorben. Sein Ehrengrab auf dem Tübinger Stadtfriedhof kann immer noch besucht werden.

Im Folgenden wenden wir uns einigen seiner ausgewählten Werke zu. Im Prinzip kann niemand an Philipp Friedrich Silcher vorbei, denn schon eines der populärsten Weihnachtslieder „Alle Jahre wieder“ wurde von ihm vertont. Er übernahm den Originaltext von Wilhelm Hey aus dem Jahr 1837 und entwickelte dazu eine Melodie, die zusammen mit dem Text in seinem Liedzyklus „12 Kinderlieder“ veröffentlicht wurde. Die eingängige Melodie ist deshalb so populär, weil sie quasi von allen ganz einfach gesungen werden kann, vom Sopran bis zum tiefen Bass. Auch nichttrainierte Sänger/innen haben in den Regel keine Schwierigkeiten, dieses Lied zum Besten zu geben. Unter den Kindern gehört das Lied auch zu den populärsten Weihnachtsliedern.

Weiter geht’s nächste Woche.

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