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Vom stillen Tal zur Nationalhymne – Teil 1

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Das Lied „Das Stille Tal“ geht auf die Dichtung „Im schönsten Wiesengrunde“ von Wilhelm Ganzhorn zurück. Die dreistophige Fassung, die auch heute noch gesungen wird, entstand 1854, also im 19. Und nicht im 18. Jahrhundert, wie es der Verlag B. Schott’s Söhne Mainz fälschlicherweise abdruckt. Wilhelm Ganzhorn hat aber das Lied bis 1876 von drei auf dann dreizehn Strophen erweitert. Das tut dem Lied nicht unbedingt gut. Ganzhorn bringt in seinen 10 eingefügten Strophen nicht wirklich Neues für das Gefühlsleben der Sänger/innen und Zuhörer/innen, er kaut nur immer den einen Gedanken wieder und wieder, bis es einem leid wird. Wer das gerne selbst überprüfen will, mag sich bei Tante Google den Text in vollständiger Fassung ansehen. Diese drei Strophen singen wir (und das reicht auch völlig aus):

Im schönsten Wiesengrunde, Ist meiner Heimath Haus;
Ich zog zur Morgenstunde Ins Thal hinaus.
Dich mein stilles Tahl, Grüß ich tausendmal!
Ich zog zur Morgenstunde Ins Thal hinaus.

Weiter geht’s mit:

Müßt’ aus dem Thal ich scheiden, Wo alles Lust und Klang,
Das wär mein herbstes Leiden, mein letzter Gang.

Und es endet mit:

Sterb ich – in Thales Grunde, Will ich begraben sein;
Singt mir zur letzten Stunde, Beim Abendschein:
Dir mein stilles Thal, Gruß zum letzten Mal!
Singt mir zur letzten Stunde, Beim Abendschein.

Wer war Wilhelm Ganzhorn? Ganzhorn war ebenfalls ein „Sauschwob“, der 1818 in Böblingen geboren wurde und 1880 in Bad Cannstatt (heute Stuttgart) starb. Sein Vater war der Böblinger Schloßvogt, also ein Landesbeamter und der Sohnemann durfte dann auf die Lateinschule. Wilhelm Ganzhorn scheint schon als Jugendlicher gedichtet und den englischen Dichter William Shakespeare verehrt haben.

Er sollte Pfarrer werden, fiel im Hebräischen durch und wurde dann studierter Jurist und wurde Amtsrichter bzw. später Oberamtsrichter in Neuenbürg. Erste politische Gedichte von ihm entstanden im Dezember 1840. Ganzhorn betätigte sich in den Revolutionsjahren 1848/1849 aktiv politisch. So war er Wahlkampfleiter für die Wahl von Karl Mathy zum Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung.

Am 3. Juni 1848 wurde in Neuenbürg ein Vaterländischer Bezirksverein gegründet, in dem Ganzhorn Schriftführer wurde. Im April 1848 agitierte Ganzhorn für die konstitutionelle Monarchie mit einer starken Zentralgewalt.

Nächste Woche geht’s weiter.

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