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Deutsches Volkslied – deutsche Floskeln – Teil 2

people in night market

Das geht auf keine Kuhhaut. Im Mittelalter hat jeder seinen Marktstand auf Kuhhäuten angepriesen und pro Kuhhaut wurde eine Platzsteuer durch die Städte erhoben. Hast du einen Hund an der Leine? Wenn es zu Tisch ging und ein Gast nicht korrekt beide Unterarme neben den Teller postierte, wurde es über diesen Spruch moniert, dass der Gast bitte die Hände an den Tellerrand legen möchte. Es war und ist bis heute eine Unart, dies nicht zu tun und zeichnet keine gute Kinderstube aus. Das schmeckt jo wie de Deifel, en Schwedendrink! Das schmeckt ja wie der Teufel, ein Schwedentrunk. Der Schwedentrunk war die Jauche. Diese wurde zu Schändung der Zivilbevölkerung verwendet, um sie durch zwanghaftes Einflößen umzubringen und damit den Rest der Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen, eine Methode der (heute pazifistischen) Schweden aus dem dreißig-jährigen Krieg.

Früher wurde auch gesungen: O du lieber Augustin! (Alles ist hin). Von einem Sänger und Dudelsackpfeifer namens Augustin wird erzählt, dass er im großen Pestjahr nach einer durchzechten Nacht betrunken am Wegrand eingeschlafen, und von Siechknechten, die ihn für tot hielten, „auf den Pestwagen geladen und in die Pestgrube geworfen ward‘. Am Morgen sei er inmitten der Toten aufgewacht und habe mit Musik aufgespielt, bis man ihn wieder aus der Leichengrube herauszog. Der Nachweis dieses Geschehens findet sich in der Pestordnung der Wiener Medizinischen Fakultät aus dem Jahre 1679, die auf die Gefahr des „Lebendigbegrabenwerdens“ aufmerksam machen wollte (übrigens ohne auf den angeblich glücklichen Ausgang hinzuweisen). Den Namen Augustin erhielt der fahrende Sänger wahrscheinlich deshalb, weil die Pestordnung mit einem Gebet an den (vor seinem Gott geweihten Leben Wein, Weib und Gesang feiernden) (hl) Augustinus endete.

Heier machen: Ein 5-Mark-Stück nannte man auch einen Heiermann, da die Heier (ca. 5 Mark) früher der Seemannslohn war. Der Heiermann wurde häufig in Hamburg auf dem Kiez gleich wieder ausgegeben, da “es” wohl damals einmal um die 5 Mark kostete…. Jemandem ins Gehege kommen: Als Gehege kennen wir in erster Linie ein umzäuntes Gebiet mit Wildtieren, die dort „gehegt und gepflegt“ werden, ob nun im Wald oder im Tierpark. Früher bezeichnete Gehege ein jedes umzäuntes Grundstück. Jemandem ins Gehege kommen meinte also ursprünglich, jemandes Grund und Boden betreten – auch das schon meist als nicht willkommener Störenfried. Das Wort selbst geht auf den alten Wortstamm hag (schützendes Gebüsch; Umzäunung) zurück, von dem u.a. auch Hain, Hecke, (Un)Behagen und vermutlich sogar die Hexe abstammen.

In die Schranken weisen widerfuhr Ritterturnierteilnehmern, die von den damaligen Ringstewards (Grieswärtel) eines Regelbruchs überführt, und zum Gespött aller in voller Rüstung auf die Holzabsperrung des Turnierplatzes gesetzt wurden – bis zum Ende der Veranstaltung.

Jammerlappen: das war ursprünglich das Tränentuch. Da es oft zum grundlosen Jammern missbraucht wurde, ist es zum abwertenden Begriff, bezogen auf den Benutzer des Tränentuches, geworden. Der hat Lunte gerochen – früher wurden Kanonen mit Lunten angezündet, die sehr lang waren und aus Tierhaaren vermischt mit Wachs/Öl bestanden. Diese stanken bestialisch. Wenn ein Angreifer sich einer Burg näherte und man ihn “gebührend empfangen” wollte, hatte man also schon beim ersten Rascheln im Busch so eine Lunte angezündet. Je nachdem, wie der Wind stand, konnte der Angreifer aber schon von weitem Riechen, dass der Hausherr sich wehren wird und schnell das Weite suchen.

Nächste Woche geht es weiter.

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