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Vom Sachsenlied zum Badnerlied – Teil 1

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Auf der „Setlist“ eines guten badischen Gesangsvereins darf „natürlich“ das „Badnerlied“ nicht fehlen. Ungeheuer lustig ist die Entwicklung, die das Lied genommen hat und von wem es heutzutage – völlig geschichtsvergessen – gesungen wird. Wenn der Stuttgarter VfB heute beim SC Freiburg spielt, ertönt das Badnerlied zum Trotz gegen die „Sauschwobe“.

Witzig dabei ist ja, dass die Freiburger, ja alle Breisgauer gar keine Badner sein wollten, sondern – wie die 800 Jahre davor – Habsburger bleiben, als das Großherzogtum Baden durch den „Reichsdeputationshauptschluß“ von 1803 durch Napoleons Gnaden überhaut erst entstand. Die alten Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach des auch noch konfessionell in Katholiken und Protestanten geteilten Hauses Zähringen umfassten einige Gebiete im badischen Süden und ansonsten ansehnliche Gebiete in der Mitte des späteren Badens. Aber der Rest war eben in viele geistliche und nicht geistliche Territorien, mal größere, mal kleinere geteilt. Die Fürstenberger taten sich mit dem neuen badischen Staat nicht schwer, die Habsburger, die mit Breisgau und Sundgau ihr „Vorderösterreich“ verloren, aber um so mehr. Ebenso die bayerischen Wittelsbacher, die nun endgültig „ihre“ Kurpfalz verloren.

Der bayerische König Ludwig I. wollte nach 1815 Krieg gegen Baden führen, um sein geliebtes Schloss Schwetzingen wieder zurück zu bekommen. Die badischen Zähringer, Protestanten, regierten ab 1803 ein zu Zwei Dritteln katholisches Volk. Die Freiburger Erzbischöfe sahen sich eher als Exil-Vertreter Habsburgs und standen zu jeglicher badischer Politik in Fundamentalopposition – Stichwort (Sonntags-)Schulpflicht für Mädchen. “Nicht mit uns” galt nicht erst im so genannten „Kulturkampf“ gegen Bismarcks Preußen und das Deutsche Reich.

Das machte auch die örtliche Bevölkerung zuerst mit, die 800 Jahre Habsburg hinterher trauerte. Hätten sich nicht die badischen Großherzöge mit ihrer liberalen, später – dank des in Schriesheim mittlerweile sehr gut bekannten Anton Geiß ab 1905 – sozialliberalen (Bildungs-)Politik durchgesetzt, könnten katholische badische Frauen heute nur in kurzen Stottersätzen sprechen bzw. schreiben. Das alles macht das eifrige Singen des „Badnerlieds“ in Freiburg heute umso lustiger und aberwitziger.

Nächste Woche geht’s weiter…

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