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Vom Sachsenlied zum Badnerlied – Teil 2

aerial view of heidelberg

Überhaupt wäre doch mal interessant zu erfahren, seit wann es das Badnerlied eigentlich gibt. Die Melodie des Badnerlieds wurde nämlich geklaut. Na ja, wenigstens ausgeborgt. Denn diese stammt vom Sachsenlied, einer 1814 aus einer Kantante des Dresdner Komponisten und Musikpädagogen Ernst Julius Otto (1804-77) weiter entwickelten Melodie. Der Dresdner Pfarrer Maximilian Hallbauer dichtete den ersten Text. „Das schönste Land in Deutschlands Gauen…. “ entstammt aber nicht von ihm, sondern von einer Neudichtung aus dem Jahr 1857. Den Dichter oder die Dichterin kennen wir nicht. Also haben sich die Badner fleißig bedient. Das Sachsenlied wurde nicht mehr gesungen, da haben sich wohl die Badner gedacht: „Bevor‘s umkommt?“

Das Badnerlied muss also in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgekommen sein. „In Rastatt ist die Festung“ spielt wohl auf die badische Revolution von 1849 an und die Rolle, die die Festung dabei gespielt hat. Die Strophe „Alt-Heidelberg, Du feine ….“ wurde aus dem „Trompeter von Bad Säckingen“ des badischen Schriftstellers Joseph Victor von Scheffel eins zu eins übernommen.

Scheffel dichtete das Werk Anfang der 1850er Jahre. „In Mannheim die Fabrik“ spielt auf die BASF an, die nach 1870 gegründet wurde. Also irgendwann nach 1870 muss es entstanden sein.

ie früheste bekannte Druckfassung des „Badnerlieds“ mit seinen fünf Grundstrophen findet sich in „Marschlieder des 5. Badisches Infanterie-Regiment Nr. 113“ von Karl Pecher aus dem Jahr 1906. Eine noch ältere, aber knappere Version wurde im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt gefunden. In einem Liederheft aus dem Jahr 1896 ist eine Version mit den Strophen 1 und 3 abgedruckt.

Das „Badnerlied“ ist also vom Ursprung her eine Melange ganz unterschiedlicher Quellen und Dichtungen und war also zuerst ein Militärlied? Nun ja, Baden war genauso wie das Lied eine Melange der Gegensätze. Protestantisches Fürstenhaus, katholische Mehrheitsbevölkerung. Agrarstaat mit zwei Industriestädten. Industriell rückständiges Land mit Pressefreiheit und Deutschlands offenstem Parlamentarismus. Provinziell aber ohne Zensur von Kunst und Kultur. Sonne und Wein neben Malaria-versumpften Rheinarmen.

Nächste Woche geht’s weiter…

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