Zum Inhalt springen

Heilig Heimatland – Teil 3

milan cathedral with glowing sharp spires under overcast sky

Nach Anfangsschwierigkeiten konnten sich die Frankes in Italien dauerhaft etablieren. Was für ein Treppenwitz! Vor dem Nationalsozialismus fliehen die Frankes in das seit 1922 faschistische Italien unter Mussolini. In der Tat war Italien eine Diktatur, aber eben ohne Judenhass. Und als Ausländer mit gutem Einkommen konnte die Familie Franke dort sehr gut und unbelästigt leben.

Neben einem Chauffeur für das Auto und einem privaten Italienischlehrer für die Kinder war im Haushalt Franke auch noch Platz für Gabrielle Berezenskaya, Gräfin de Boissy d’Anglas, die trotz ihres französischen Titels Russin war und 1917 aufgrund der Oktoberrevolution nach Italien fliehen musste. Sie wurde Frankes Geliebte. Die „Menage à trois“ hielt einige Jahre. Nach außen hin war sie die Hauslehrerin der beiden Franke-Kinder (für Französisch – Wortwitz nicht beabsichtigt!). Die Weltwirtschaftskrise von 1929 beendete das Pelzgeschäft Frankes und er lebte von da an ausschließlich von seiner Schriftstellerei.

Vom hektischen Mailand zog die Familie ins ligurische Ruta um. In seinem italienischen Exil verwendete Walter Franke wechselnde Autorennamen wie Franke-Ruta, Franke-Mailand, Franke-Stein. Zu all diesen Autorennamen kann man Werke von ihm finden. Meistens viel gelesene Fortsetzungsromane bei Ullstein, in einem eher locker-ironischen Ton geschrieben, keine hohe Literatur, mehr seichte Unterhaltung, aber mit Wortwitz und hintergründigem Humor. 1933 wurden Frankes Werke in Deutschland durch die Nazis öffentlich verbrannt und aus der Öffentlichkeit verbannt.

Die Situation von Walter Franke-Ruta in Italien ist daher bizarr zu nennen: Aufgrund seiner Einnahmen aus dem deutschsprachigen Raum (nach 1933 nur noch Schweiz und Österreich) konnte er gesellschaftlich anerkannt gut leben, als Ausländer durfte er auch Kontakt zu italienischen Antifaschisten und (nach 1933) auch deutschen Emigranten pflegen – was den Normalitaliener ins Gefängnis gebracht hätte. Auch die eine oder andere abweichende Meinung zu Italiens Kriegen in Libyen und Äthiopien, sein Sohn Peter geriet darüber in eine Schulhofschlägerei, scheinen sich nicht negativ ausgewirkt zu haben.

Nächste Woche geht’s weiter…

Teilen macht Spaß

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert