Am 16.04.2026 verstarb unser 2. Tenor Peter Alfons Schlechter in seinem 86. Lebensjahr. In unserem Chor gab und gibt es in seiner Generation sehr viele Namensvettern. Wer also einen bestimmten Peter bezeichnen wollte oder will, muss dies in Verbindung mit dem Familiennamen machen. So wird aus dem einfachen Peter eben nicht „der Schlechte“ oder „Schlechter Peter“, sondern die Schriesheimer fügen immer noch einen Buchstaben wie ein e oder ein s ein, und dann wird der „Schlechters Peter“ daraus. Für Außenstehende verwirrend, für Schriesheimer dagegen völlig logisch. Als wir uns vor fast 23 Jahren im Chor kennen lernten, war es der “Schlechters Peter”, der bei seiner Vorstellung aus seinem Nachnamen einen Witz machte. Er erzählte, dass bei einer Arbeits-Feier alle etwas zu essen oder zu trinken mitzubringen hatten. Da er einen eigenen Wingert bewirtschaftete, brachte er selbst gekelterten Weißwein mit. Auf den einfachen, grünen Literflaschen stand drauf „Schlechter Wein“. Nur die beiden Worte. Nebeneinander. Kein Komma, kein Bundestrich. Peter habe sich zuerst gewundert, warum keiner von dem Wein trinken wollte. Erst später seien ihm dann der Hintersinn der Worte und die Hintergedanken der Lesenden aufgegangen. Wie auch immer, der Lacherfolg der Geschichte war ihm sicher.
Einem Menschen, der über sich selbst Witze reißen kann, sind eigentlich alle wohlgesonnen. Auch mir war Peter sofort sympathisch. Er ruhte bei der Anekdote völlig in sich, sicherlich hatte er sie schon mehrfach erzählt. Ein kleiner, runder Mann mit Brille, Bart und Halbglatze, aber in der Ruhe eines Riesen. Ein Mann mit komödiantischem Talent. Ein Geschichtenerzähler. Dass er gerne Theater spielte, wusste ich damals nicht, aber ich hätte es sofort geglaubt, wenn es mir einer erzählt hätte. Auf mich wirkte er wie ein Mann, der wusste, wer er war, wo er hingehörte und was er konnte. Letztes Jahr feierte er Diamantene Hochzeit, das sind 60 Jahre Ehe. Respekt!
Peter trat am 01.01.1956 knapp vor seinem 15. Geburtstag der Lyra bei und war bis vor kurzem noch aktiver Sänger im 2. Tenor. D. h. er war etwas mehr als 70 Jahre ein aktiver Sänger in unserem Männerchor. Das ist ein Zeitraum des aktiven Chorengagements, den nur ganz, ganz wenige erreichten und erreichen. Hut ab, möchte ich sagen. Peter Schlechter war ein klarer Aktivposten unseres Chors und in seiner Stimme, dem 2. Tenor. Er war zuverlässig und immer dabei, wenn ihn sein Chor gebraucht hat. Unzählige Auftritte und Tagesbestleistungen der Lyra gehen auch auf seine eigenen aktiven Leistungen in seiner Stimmlage zurück.
Sein persönliches Steckenpferd waren – wie schon erwähnt – die Theateraufführungen, die er selbst inszenierte und dabei auch als Mime mitwirkte. Unvergessen das Stück „Käthchen von Heilbronn“ mit vielen Aktiven der Lyra und auch vielen Nicht-Lyranern im Strahlenberger Schulhof. Oder seine Aufführungen zu den Adventsfeiern der Lyra. Peter war auch jahrzehntelang einer der Hauptorganisatoren der Lyra-Klause beim Straßenfest gewesen und auch bei den Mathaisemarkt-Umzügen für die Gestaltung der Lyra-Wagen und auf dem Wagen selbst mit dabei. Peter hat immer auch dort an- und zugepackt, wo es viel Arbeit gab und oftmals wenig Lohn oder gar öffentliche Anerkennung. Er wußte genau, dass dort die meiste Arbeit drinsteckt, wenn es mühelos aussieht und reibungslos funktioniert. Peter trat in der Gruppe bei Diskussionen beruhigend und überlegt auf. Er war kein Mann der Allgemeinplätze. Er war – auch im persönlichen Gespräch – ein Mann mit Intelligenz und der Fähigkeit zum Tiefgang. Lieber Peter, wir werden Dich, Deine freundliche Art und Weise des Umgangs, Dein verschmitztes Lächeln und Deine überlegte Haltung vermissen und Dich und Deine Leistungen und Anekdoten in sehr guter Erinnerung behalten. Vielen Dank für Dich, lieber Peter.

