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400×100 – neue Serie

great sphynx of giza egypt

„40 Jahrhunderte blicken auf Euch herab“, soll Napoleon seinen Truppen vor der Schlacht an den Pyramiden in Ägypten am 21.07.1798 zugerufen haben. In Wirklichkeit war Napoleon mit seinen Truppen gar nicht bei den Pyramiden, die einen Tagesmarsch entfernt und wahrscheinlich nur als Schemen im Hintergrund erkennbar waren. In seinem Exil in Sankt Helena ab 1815 ging aber der Gaul mit ihm durch und er „pimpte“ seine Memoiren ordentlich auf, wie es neudeutsch so schön heißt und ging sehr großzügig mit Tatsachen und Ereignissen und natürlich seiner eigenen Rolle um. 

Warum erwähne ich diesen Ausspruch? 40 Jahrhunderte blicken auf Euch herab. Wie herablassend, oder? Wie müssen sich die zehntausenden, oftmals analphabetischen Männer im französischen „Ehrenrock“ gefühlt haben, als ihr Feldherr sie von oben herab ansprach und damit kundtat: Ich bin der Größte, ganz klar steht es mir zu, hier gleichauf mit den Pharaonen und ihren Bauwerken hoch zu Pferd zu sein und wir schauen auf Euch Fußvolk, das gleich hier sterben wird, herab. Vielleicht fühlten sie sich gar nicht schlecht. Vor der Schlacht gab es immer Branntwein und Männer haben es ja jahrhundertelang nicht geschafft, über ihre Gefühle und Ängste zu reden. Also haben wahrscheinlich alle gejubelt und gingen hin zur Blutmühle. Was hat es mit den 40 Jahrhunderten auf sich? 40 Jahrhunderte, das sind 4.000 Jahre. 400 Jahrhunderte sind 40.000 Jahre. Im Jahr 2023 hat die Lyra ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert. 

Ein großes Fest, viele von Ihnen waren dabei. Gesang gibt es aber nicht erst seit 100 Jahren, sondern wahrscheinlich schon seit 400 Jahrhunderten, also seit 40.000 Jahren. 40.000 Jahre Tradition sehen nicht auf uns herab, sondern 40.000 Jahre gesungene Energie und kulturelle Schöpferkraft UMGIBT uns. Das ist ein ganz! anderer! Ansatz! Umgibt uns. Hüllt uns ein. Beschützt uns. Nimmt uns mit. Lässt uns teilhaben. Fordert uns zu Weitergabe und Weiterentwicklung auf. Ohne in Reih und Glied marschieren zu müssen. Ohne Fahnen schwenken, Ideologien und rhythmische Armbewegungen. Die Pyramiden und ihre Pharaonen sind endlich. Die Mumien längst geraubt und – wie Napoleon – zu Staub zerfallen, die Bauwerke leere Hüllen, dem sicheren Verfall durch Sonne, Wind und Stürmen preisgegeben, wenn sich niemand darum kümmert. Aber Kultur und Gesang sind wie das Weltmeer. Riesig. Weit. Unendlich. Die Strömungen ziehen uns mal hierhin und mal dorthin. Wir können ein Leben darin lang schwimmen und werden dennoch nie alles kennen und erleben. Vieles wird komponiert und wird vergessen, aber ständig kommt Neues hinzu. Es wird nie langweilig.

Teil 2 folgt.

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